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Und plötzlich war alles Niemandsland...... Teil I
Zusammen gekrümmt lag der Mann am Boden, in seinem eigenen Urin, in der eigenen Wohnung, wenn man dies noch Wohnung nennen konnte.


Es sah alles andere als wohnlich aus. Ausser Abfall, Schmutz und Gestank war nichts vorhanden, das darauf hinweisen könnte, dies ist mein Zuhause im Paradies, in der Karibik – genauer gesagt der Dominikanischen Republik.

Der erste genauere Blick zeigte schnell, neben ihm lagen unzählige leere Pakete von Tabletten, Valium ähnliche Pastillen, viele weitere Tabletten und die leeren Rumflaschen trugen ihren traurigen Anteil an diesem Bild bei. Selbst in der völlig verkrampften Hand, waren noch Pillen ...... Endstation ? Robert

Glücklich verheiratet mit einer hübschen und arbeitsamen Frau aus der Dominikanischen Republik begann dieser Mann bereits vor vielen Jahren sein zweites Standbein auf der Insel Hispaniola aufzubauen – kaufte damals Land und baute darauf eine schöne Farm, oder wie man hier sagt, eine Finca.

Noch pendelte er oft vom Heimatland zu seiner Wunschheimat um es finanziell abzusichern. Die Aufenthalte in der Dominikanischen Republik wurden schnell immer länger und ausgedehnter – die Arbeitseinsätze im Heimatland immer kürzer. Man versuchte einen Verdienst vor Ort aufzubauen. Immerhin hatte man nicht nur einen guten Beruf erlernt, sondern sprach ja auch 5 Sprachen und in all den Jahren hatte man sich einiges Wissen in diesem Land und weiteren Ländern Lateinamerikas aufgebaut. Nur im Leben kommt oft so einiges anders als man denkt.

In diesem „Paradies“ hat es zudem nicht nur Sand am Strand sondern offenbar auch im Getriebe mancher Behörden, Ämter und Firmen. Kurzum nicht alles läuft wirklich so wie es eigentlich „müsste“, man ist Ausländer und hat zudem eine andere Denk- und Arbeitsweise. Versucht man sich zudem in Bereichen erfolgreich zu betätigen, welche andere für sich „beanspruchen“, dann kann es auch schnell mal zu unerwarteten Komplikationen führen. Da bekommt man dann aus unerklärlichen Gründen keine Betriebsbewilligung mehr etc. , zahlt plötzlich viel mehr Steuern und alles scheint sich gegen Dich verschworen zu haben.

Da sowieso kein Zusammenhalt unter den Europäern herrscht, die Residenten leider viel lieber mit Neid, Missgunst und sich gegenseitig anfeinden glänzen, statt Zusammenhalt und gegenseitiges Unterstützen ( damit soll nicht sponsern gemeint sein ) zu zelebrieren, haben Einheimische ein noch um ein vielfach leichteres Spiel. Das sich jeder einzelne Resident damit sich sein eigenes Leben erschwert, das ist offenbar sowieso egal. Ganz unter uns, wer möchte schon einen Ausflug buchen, dort essen oder übernachten, gar wohnen, wo er dann damit rechnen muss, dass er noch „blöd“ angemacht wird.... ? So stellen sich diese Residenten selbst eine Referenz aus, was man davon halten will oder nicht, muss jeder selbst entscheiden.

Auch das wusste dieser Mann, er vermied schnell den Umgang mit all den ach so netten Landsleuten die seine Art ja schon beanstandeten, obwohl sie kaum wussten was er wirklich tat. Doch warum sollten die Europäer, welche in Europa schon immer über andere haderten, hier anders handeln ? Also lebte er eher zurück gezogen, versuchte weiter seinen Verdienst auszubauen und freute sich an seiner kleinen Tochter und der Frau.

Es begann auch langsam anzulaufen und immer wieder kamen kleine Gewinne zustande. Aber es reichte noch nicht wirklich um einer Familie ein sorgenfreies Leben zu bieten. Seine Frau hatte aber Freude selbst auch zu arbeiten, was auch half. Nur wollte sie so langsam einen anderen Standard, so wie es viele Frauen von hier denken, das dieser ganz automatisch kommt und Geld kommt ja eh von alleine, schliesslich hat man ja einen Europäer und die haben Geld...... oder eben auch nicht.

Er versuchte immer mehr und begann sich aber offenbar auch immer mehr zu verzetteln. Denn immer mehr waren da die auch profitieren wollten, man hatte Freunde die eigentlich keine waren und jeder wollte ja „nur“ helfen...... beim genauen hinsehen nur profitieren. So hatte man immer mehr Leute um sich herum, aber fühlte sich in Wirklichkeit immer mehr allein. Probleme konnte man und wollte man auch mit niemandem besprechen. Schon alleine weil man ja wusste was das wieder für ein Gerede gibt.......

Das man dann noch „Trost“ in Alkohol sucht, bricht Dir dann schnell das Genick. So auch in diesem Fall.

Die ach so vielen Freunde merkten schnell das man labiler und damit anfälliger wurde. Man profitierte etwas mehr und etwas mehr und lieferte immer weniger. Es begann chaotisch zu werden und die sogenannten Partner wurden aufsässig und gar unverschämt. Gutmütigkeit wurde schnell zur Dummheit und was noch vor kurzem nach Erfolg aussah, wurde zur Belastung und dies für die ganze Familie.

Für die Notbremse ziehen war es offenbar mental längst zu spät, nicht so für seine Frau. Diese fühlte die Existenz für das gemeinsame Kind und der eigenen bedroht und versuchte den Mann dazu zu bringen sein Tun zu überdenken ansonsten müsse Sie ihn verlassen. Nur in dieser Verfassung nahm es er nicht mehr so auf. Er dachte für sich, was nun, auch noch meine eigene Frau gegen mich ? Das war zu viel und es eskalierte. Er rief aus und machte so ziemlich alles verkehrt in dieser Situation. In einer ruhigeren Phase seines Lebens hätte er es wohl selbst besser gewusst – doch das Karussell nach unten hatte längst angefangen zu drehen.

Die Frau zog die Konsequenzen und zog mit dem Kind aus. Nicht ohne das Sie restlos alles mitnahm was sie allenfalls brauchen konnte, denn sie musste von nun an ja auf eigenen Beinen wohnungstehen. Und sie kannte die passenden Leute. Da fuhr die Polizei vor, nahm den Mann mit, Vorwurf häusliche Gewalt. Als er wieder zurück war in der gemeinsamen Wohnung war diese restlos leer. Nicht einmal eine Matratze, kein Möbelstück – gar nichts mehr war da. Sie lies ihm schlichtweg nichts mehr. Aus – aus – Endstation schrie es nur noch in ihm – alles weg – alles verloren – niemand mehr da – das Leben hat keinen Sinn mehr.

Und zielstrebiger als bei jedem Geschäft zuvor, plante er, dieses Leben zu beenden, selbst wohl wissend das er sich zu sehr verzettelt hatte. Er kramte alles noch zusammen was er zusammen kratzen konnte um damit Tabletten zu kaufen, es sollte ein tödlicher Mix mit Rum werden. Schon viel zu weit entfernt von jeglicher realen Grundlage schien ihm das der einzige Ausweg.

Er hörte es ja selbst in seinem Rücken schon : „ Dieser Versager, der Spinner, der Idiot“ , man gab sich ja keine Mühe die Lästereien noch leise vorzutragen und ereiferte sich in Schadenfreude..... und je mehr er dies zu spüren bekam, je mehr wuchs der Entschluss diesen Dreck zu beenden. Längst vergessen, das er dafür selbst Tür und Tor geöffnet hatte. Nur Hilfe bot niemand an.

In Wirklichkeit auch kaum mehr möglich. Denn er kapselte sich nun vollständig ab und das er mehrfach die Treppe runter stürzte, sich dabei eine Oberschenkelfraktur zuzog und die Schmerzen mit Rum und Tabletten betäuben versuchte – das zeigte sich auf der Strasse mit erneuten Stürzen und torkeln. Drögeler, Alkoholiker war da nur der Anfang von dem was er nun zu hören kriegte. Aber das war ihm längst egal. Er wollte nur noch eines, seinem erbärmlichen Leben ein Ende setzen – diesen Schmerzen an Seele und Körper. Sollten diese Schwätzer und Besserwisser Ihre Schadenfreude doch ausleben – was interessierten Ihn diese ach so guten Menschen noch – sie verstanden ja den Hilfeschrei nicht der schon körperlich zum Ausdruck kam.

Ja er selbst, wie viele vor ihm und noch wohl unzählige nach ihm, haben sich in Wirklichkeit selbst das Grab geschaufelt. Traurig genug das aber nie eine Hand da war wo er sich vielleicht hätte kurz halten können damit es gereicht hätte klar zu werden. Ob er es angenommen hätte, sei sowieso dahin gestellt. So landete er auf dem Korridor, verkrümmt in seinem Urin liegend – und noch in den letzten Regungen versuchte er sich auf der Suche nach mehr Tabletten zu winden – fragte man ihn wohin er wolle, kam die Antwort: „en el cielo“ – in den Himmel.......

Doch der Aufzug nach oben war besetzt – spätestens als ein Mann eintraf, die selbe Nationalität wie er selbst. Diesem schien dieser Anblick nicht wirklich etwas auszumachen. „Wohin willst Du ? In den Himmel .... ? Entschuldigung Mister diese Türe ist zur Zeit geschlossen.....“ war die erste Reaktion dieses Landsmanns. Hätte er vielleicht zuvor gewusst was das heisst hier aktiv zu werden, hätte er dann nicht vielleicht doch auch gezögert ? Lesen Sie Teil II – den selbst helfen hat hier Sand im Getriebe .....

Teil 2 von diesem Bericht finden Sie HIER

Teil 3 von diesem Bericht finden Sie HIER

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