Sierra de Bahoruco Mario Davalos

Ich nähere mich der Naturfotografie mit zwei Hauptzielen im Sinn. Auf der einen Seite möchte ich ein Gefühl für den Ort einfangen und darstellen.

Sierra de Bahoruco - (c) Mario DavalosAuf der anderen Seite möchte ich dem Betrachter ein Gefühl von Intimität vermitteln, in einer Weise, dass die Sicht auf ein Foto dass naheliegendste ist das er oder sie tun kann um dort zu sein, ohne tatsächlich vor Ort zu sein.

Als ich mich zum ersten Mal der Sierra de Bahoruco näherte, war das meine Denkweise und meine vorher festgelegten Ziele - aber das würde sich bald ändern, da die Notwendigkeit und ein Gefühl der Dringlichkeit und des Engagements für die Erhaltung eines solchen Ortes zu kommunizieren, überhandnahm.

Die Sierra de Bahoruco ist ein wichtiger Teil der Geschichte von Hispaniola, der Karibik-Insel die von Haiti und der Dominikanischen Republik gemeinsam genutzt wird. Diese Berge, die mit dem Pic La Selle fast 2.800 Meter erreichen, dienten den indigenen Taino als Versteck, als sie versuchten, der Grausamkeit und dem Blutvergießen zu entkommen, dass die spanischen Kolonialherren brachten.

Die Sierra ist im speziellen als sicherer Zufluchtsort gewählt von Enriquillo (einem Taino-Häuptling, ursprünglich Guarocuya genannt) bekannt, der dorthin floh, , um sich und sein Volk, für mehr als 10 Jahre vor den Spaniern zu verteidigen, was ihn zum ersten indianischen Rebellen des Kontinents machte. Später schützen die gleichen mystischen Berge die afrikanischen Sklaven, die gegen die Französische und Spanische koloniale Unterdrückung auf beiden Seiten der Insel rebellierten.

Nationalpark Sierre de Bahoruco - (c) Mario DavalosIm Jahr 2004 wurde die Sierra de Bahoruco mit ihren 270.000 Hektar das größte terrestrische Schutzgebiet der Dominikanischen Republik, das als Zufluchtsort für die meist einzigartige Biodiversität der Insel dient, aber wenn der Trend anhält, nicht für lange. Leider hört niemand ihre verzweifelten Rufe.

Abgeschieden durch eine zermürbende 4 bis 5 Stunden Autofahrt von Santo Domingo, ohne große städtische Zentren in der Nähe, ist die Sierra de Bahoruco ein gutes Beispiel für - aus den Augen, aus dem Sinn.

Da die Grenzen des Parks auf dem Boden nicht-existent sind, bleibt die Inanspruchnahme eines Stückes Land auf diesem unbewachten Gebiet und die Verpachtung an endlose Schlangen der landlosen und hoffnungslos armen haitianischen Bauern, in der Regel unbemerkt. Ebenso sind Bestechungsgelder an den Grenz-und Waldschutz um wegzugesehen, wenn Bäume in gigantische Holzkohle-Öfen verwandelt werden, an der Tagesordnung.

Waldzerstoerung in der Sierra de Bahoruco - (c) Mario DavalosObwohl illegal, bietet die Holzkohle Einkommen für Menschen in dieser armen Region, da es der wichtigste Brennstoff zum Kochen in einige ländliche Gemeinden von Haiti und der Dominikanischen Republik ist.

So haben Dank der Gleichgültigkeit der dominikanischen Behörden, viele Dominikanische Landwirte und Unternehmer die einzigartigen Wälder der Sierra geplündert, was eine ausgedehnte Erosion seiner steilen Hänge zu Folge hat, so dass das Kalksteinsubstrat nach nur wenigen Ernten freigelegt zurückbleibt.


In Bezug auf den Vogelschutz, ist die Sierra de Bahoruco ein besonders privilegierter Ort und es ist ein Muss für alle Vogelfreunde und Wissenschaftler sie zu sehen.

Dominikanerkuckuck (c) Mario DavalosDieser Nationalpark bietet Lebensraum für 28 der 31 Arten von endemischen Vogelarten und beherbergt 32 der 34 Vögel mit eingeschränkten Verbreitungsgebieten auf der Insel. Dazu gehören der Schwarzkappen-Sturmtaucher, einschließlich des einzigen bekannten Brutplatzes in der Welt, der seltene Dominikaner-Kuckuck, die Haiti-Drossel und die größte Population der Hispaniola-Kreuzschnäbel auf Hispaniola.

Andere endemische und vom Aussterben bedrohte Vogelarten sind die ausgelassenen Hispaniola Sittiche und Papageien, die spektakuläre Antillenschwalbe, der Spiegelwaldsänger und die Kieferntangare. Die Sierra ist auch ein sehr wichtiges Ziel für 31 Vogelarten, die im Winter aus Nordamerika einwandern, einschließlich Bicknell-Drossel, ein gefährdeter Singvogel von dem man annimmt, dass etwa 90% der gesamten Population den Winter in der Dominikanischen Republik verbringt.

Magischer Wald - Sierra de Bahoruco (c) Mario DavalosFür Naturfotografen präsentiert Hispaniola eine echte Herausforderung. Im Gegensatz zu anderen kontinentalen Zielen, hat es als Insel es weniger Arten und die meisten sind sehr schwer zu fotografieren.

Der Wald ist dicht, das Licht wird ziemlich schnell hart und grell und die Vögel sind, mit einigen Ausnahmen, schüchtern und matt. Neben dem Vorkommen der meisten der endemischen Vogelarten Hispaniolas, bietet Bahoruco auch die Möglichkeit, die beiden endemischen Landsäugetiere zu fotografieren; den Dominikanischen Schlitzrüssler (Solenodon paradoxus) und dem Hispaniola Hutia (Plagiodontia aedium)sowie unzählige endemische Reptilien, Amphibien, Pflanzen und Pilze.

"Ich habe in der Sierra de Bahoruco jetzt schon ein paar Jahre fotografiert, aber ich fühle mich immer noch, als hätte nur eine Zehe in diese zauberhaften Bergkette eingetaucht".

Dominikanischen Schlitzrüssler - (c) Mario DavalosFür meinen letzten Besuch engagierte ich den lokalen Führer Nicolás Corona. Mit ihm wollte ich versuchen, das schwer fassbare Solenodon, ein ikonisches Geschöpf, dass von der Mehrheit der Dominikaner wegen seiner nächtlichen Gewohnheiten und scheuen Natur, noch nie gesehen wurde, zu finden und zu fotografieren.

An diesem Morgen fuhr ich vor Sonnenaufgang in einer 6-stündigen Fahrt von Santo Domingo nach Pedernales, einer kleinen Grenzstadt im südlichen Teil der Sierra, die ich als Basislager verwenden wollte. Bis zu dieser Reise hatte ich mich immer auf die Nordseite der "La Sierra", wie wir Einheimischen es nennen, konzentriert und in der Regel meine Basis in Puerto Escondido eingerichtet, wo Kate Wallace die einzige Vogelbeobachtungsstation im Land betreibt. Dann fuhr ich hinauf nach Zapotén, um die Nacht in einem Zelt in der Nähe einer Ranger-Station zu verbringen. Doch dieses Mal wollte ich den Süden erkunden, in einem der kleinen Hostels in Pedernales übernachten und etwa 100 Meilen und 20 Stunden pro Tag zurücklegen.

Sierra de Bahoruco - (c) Mario DavalosAls ich schließlich in Pedernales ankam, war es bereits 14 Uhr nachmittags (ich hatte einen früheren Stopp im Caamaño Nationalpark gemacht um Kaninchen-Eulen zu fotografieren) und der Tag war heiß und feucht. Das Thermometer zeigte 40° C als wir den Strand von Cabo Rojo verließen, aber als ich 45 Minuten später, nach einer Fahrt durch Trockenwälder, Halb-Trockenwälder, Feuchtwälder und Nebelwälder, die ausgedehnten Pinienwälder der Sierra erreichte war die Temperatur bis auf 18° C gesunken.

Als ich weiter fuhr kamen wir in ein Waldstück, das vollständig verbrannt worden war. Nicolás erklärte, dass Anfang Januar es ein Feuer gegeben hätte, das mehr als eine Woche brannte, seiner Meinung nach wurde es absichtlich gelegt um Land für illegale Landwirtschaft zu gewinnen.

Orchidee in der Sierra de Bahoruco (c) Mario DavalosAls dichter, unheimlicher Nebel aufzog, dachte ich an die üppigen Nebelwälder , die einst hier standen und fragte mich, ob ich sie jemals wieder sehen würde oder ob ich einigen von ihnen an anderer Stelle in Bahoruco vor diesem Schicksal bewahren könnte. Ich habe mich angesichts von so viel Schönheit, noch nie so traurig gefühlt.

Für die nächsten drei Tage durchstreifte ich Sierra bergauf und bergab, tagsüber auf der Suche nach Vögeln und während der Nacht auf der Suche nach Säugetieren. Dabei begegneten mir Vogelspinnen, bunte Schnecken und alle Arten von Orchideen. Für die Schönheit und den Reichtum dieses Ortes gibt es keinen Vergleich. Dies ist die unerwartete Karibik, eine Karibik, gefüllt mit Leben und Vielfalt, eine Karibik, die darum bettelt, gerettet zu werden, eine Karibik, die die Geschichte vorüberziehen sah und die im Namen der Zivilisation gelitten hat, seit Christoph Kolumbus im Jahr 1492 seinen Fuß auf diese Insel gesetzt hat.

Als ich am letzten Tag des Shootings meine Ausrüstung packte, wusste ich, dass sich etwas in mir verändert hatte und dass ich für immer mit diesem Ort verbunden sein würde. Und als ich den Kofferraum meines Autos schloss und ein letztes Mal auf die Sierra blickte, bevor ich zurück in die Stadt fuhr versprach ich, dass ich alles in meiner Macht stehende tun würde, um die Botschaft zu verbreiten und andere Naturfreunde dazu zu ermutigen, die magischen Wälder der Sierra de Bahoruco zu besuchen und zu schützen.

Sierra de Bahoruco - (c) Mario DavalosDer Artikel wurde uns freundlicher von Maria Davalos zur Verfügung gestellt. Mario Davalos wurde 1978 in Santo Domingo geboren. Er ist zeitgenössischer Maler mit einem BFA-Abschluss von der Parsons School of Design und begeisterter Naturfotograf. Seine Bilder sind eine Kombination aus seiner Liebe und Bewunderung für die Natur und seiner Leidenschaft für die Erstellung von Bildern und die Welt zu bereisen.

Nähere Infos zu Mario Davalos finden auf seiner Webseite oder auf Facebook

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