Eisenbahn Haiti2

Eine Sache, mit der jeder Besucher in Port-au-Prince schnell vertraut wird, ist sein schrecklicher Verkehr.

Taptaps, LKWs, SUVs und Moto-Taxis drängeln sich durch das Verkehrschaos und konkurrieren um einen Platz in dem überlasteten Straßennetz.

Doch vor rund 80 Jahren hätten sie eine Straßenbahn entlang des Champs de Mars nehmen können oder einen Zug von der Grand Rue bis nach Léogâne. Nach dem Erdbeben haben mehrere Stadtsanierungsprojekte eine Rückkehr zur Bahn angepriesen, um die Staus zu verringern, bislang ist es aber nur bei Ankündigungen geblieben.

Haitis ehemaliges EisenbahnnetzDie Hauptstadt hatte zwei Eisenbahn Epochen: ein Pferdebahn Netz zwischen 1878 und 1888 und ein zweites System das mit Dampflokomotiven im Jahre 1897 begann und mit Verbrennungsmotoren im Jahr 1932 endete. 

Die ersten Straßenbahnen in Haiti wurden im Jahr 1878 von der Compagnie des Chemins de Fer de Port-au-Prince (CCFPP) ins Leben gerufen und verbanden den Stadtteil Croix des Bossales, in der Nähe des Hafens, mit dem Champs de Mars. Die Straßenbahnen wurden von Pferden gezogen und waren ein großer Erfolg. Die CCFPP kaufte vier weitere Wagen und eröffnete eine weitere Linie auf der Grand Rue.

Leider war der Bau der Linie mittelmäßig, es gab häufig Entgleisungen, die Wartung der Fahrzeuge war nicht existent und im Jahr 1880 begann auch der Wettbewerb mit den Omnibussen. Die CCFPP ging im Jahr 1885 in Konkurs und die letzte Tram von Port-au-Prince´s Straßenbahn fuhr im April 1888.

Die zweite Straßenbahn war eine ehrgeizigere und komplexere Angelegenheit, mit Investitionen aus Haiti, den USA, Belgien und Deutschland. Im Jahr 1896 begann das Comité d'Haïti des Négociants mit der Wiederherstellung des ehemaligen Straßenbahnsystems und dem Bau von zwei neuen ländlichen Linien, die alle von Dampflokomotiven betrieben wurden.

Oeffentlicher Eisenbahnverkehr fuer LegonaeAm 18. April 1897 eröffnete die Société des Tramways de Port-au-Prince die erste Linie des Dampfstraßenbahnnetzes von Portail St-Joseph an der Rue du Quai und der Rue des Miracles bis zum Straßenbahndepot am Champ de Mars und von dort zur Rue des Casernes. Die zweite Linie auf der Grand-Rue von Portail St-Joseph zum Friedhof, nahm eine Woche später den Dienst auf. In den ersten sechs Monaten des Betriebs transportierte die Straßenbahn 250.000 Passagiere. Die Linien wurden in kurzer Zeit weiter ausgebaut, um die wichtigen Zucker produzierenden Regionen zu erreichen - Leogane im Westen und Thomazeau im Osten.

Das Wachstum der Chemin de Fer d'Haïti - der Nationalen Eisenbahngesellschaft hatte schlussendlich zum Ziel, Port-au-Prince mit Cap-Haitien zu verbinden, aber im Jahr 1910 versiegten die Förderkredite wieder und die haitianische Regierung verkaufte sie mit allem Drum und Dran an einen amerikanischen Spekulanten namens James MacDonald, der Berichten zufolge, den Deal mit einem Geschenk aus falschen Perlen schaukelte, mit welchen er der Tochter der Vodou-Priesterin des damaligen Präsidenten den Kopf verdrehte.

Eisenbahn Haiti - Northern StationMacDonald wurden umfangreiche Zugeständnisse gewährt, um das Land, das entlang der Eisenbahnstrecke nach Saint-Marc verlief, zu entwickeln, welches er durch die Entwicklung von Bananenplantagen (für die er praktischerweise ein Ausfuhrmonopol hatte), profitabel machen wollte. Leider bedeuteten diese Pläne auch die Enteignung von Hunderten von Bauern, die auf ihre Zwangsräumungen mit Gewalt reagierten. Die Unruhen haben dazu beigetragen die aufgeladene Atmosphäre weiter anzuheizen, was zu der Entscheidung Amerikas führte, welche sich auf den Rat beider, MacDonald und seines neuen Eisenbahn-Präsidenten John Farnham stützte, im Jahre 1915 in Haiti einzumarschieren.

Begierig nach privatem Profit, steuerte Farnham das Unternehmen langsam auf die Abstellgleise, indem er sich fast ein Drittel des Gewinns als sein Jahresgehalt nahm. Bis 1932 wurden die Stadtbahnen teilweise eingestellt und die Schienen wurden herausgerissen. Die ländlichen Linien haben weitgehend überlebt, da sie Zuckerrohrfelder außerhalb der Stadt bedienten und bis in die 1950er Jahre eine Art Passagierdienst betrieben. Aber wiederholt wechselnde Präsidentschaften sahen den Wert der Züge mehr als einen Goldesel als ein Verkehrsnetz und in den 1960er Jahren waren auch diese Linien dem Tod geweiht.

Eisenbahn Haiti - Grand RueDer Service überlebt nur knapp bis in die Zeit der Präsidentschaft von Jean-Claude Duvalier, dessen Frau dann ihre Kumpane beauftragte, die restlichen Fahrzeuge als Schrott zu verkaufen. Viele Metallschwellen fanden offenbar den Weg zu den Villen am Strand von Côte des Arcadins um als Zaunpfähle zu dienen.

Heute erinnert nur noch wenig an Haitis Züge - ein paar kurze Streckenabschnitte verlaufen noch durch die Metall Künstler-Enklave in Croix des Bouquets, während die Umgehung durch Carrefour außerhalb von Port-au-Prince immer noch Route de Rail genannt wird.

Ein kleiner Bilderreigen aus der Zeit der Eisenbahn in Haiti

Quellen:
Wikipedia
The Tramways of Port-au-Prince - Hier finden Eisenbahnliebhaber auch eine hochinteressante Dokumentation über Haitis Eisenbahn, mit allen technischen Details zu den Loks und vielen Karten und Bildern.

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