Haiti Voodoo Rockn roots

Es ist Donnerstagabend in einem historischen Hotel, dem Hotel Oloffson. Über 50 Einheimische drängeln sich, um durch eine Luke im Barbereich zu sehen

Voodoo Rock'n Roots Band RAM im Hotel OloffsonAndere versuchen, in der drückenden Hitze zwischen den Tischen zu kreisen. Auf der Bühne produziert die ansässige "Voodoo Rock 'n roots" Band RAM unter Freudengeschrei, etwas das aussieht wie Doppelfußball Vuvuzelas. Während die Musiker eine Salve von Explosionen durch die sperrigen Hörner blasen, rippt Sänger Richard Morse, der auch Besitzer des Hotels ist am Mikro, seine weißen Dreadlocks über etwas drapiert, das aussieht wie ein Koch-Outfit. Er braut auf jeden Fall einen Sturm zusammen.

Das ist Haitis Hauptstadt Port Au Prince, sechs Jahre nach der Erdbeben und alle verbliebenen Bedenken, dass ein Tourist zu sein irgendwie noch einen schlechten Beigeschmack hat, schmilzt zusammen mit das Make-up der feiernden Haitianer.

Hotel Oloffson - Port au Prínce - HaitiEs stimmt, auf der Straße umgibt rotes Wellblech die Lücken wo eine Reihe von Regierungsgebäuden stand, ist die katholische Kathedrale nur eine Fassade und es ist, wenn auch keine Zeltstadt mehr, doch immer noch Ort an dem Ansiedlungen von Zelten zu finden sind.

Allerdings blieben viele Straßen unversehrt und es gibt ein durchdringendes Treiben der Unternehmen. Jeder zweite Person die man sieht scheint etwas verkaufen: Mineralwasser, Obst, Motorteile, Lotterielose, Fußballfahnen, Souvenirs ...Sovenirs? Es stellt sich heraus dass Touristen gar nicht so selten sind, allerdings sind die meisten - bis jetzt - haitianische Auswanderer, die zurückkehrten.

VDonnerstagabend im Hotel Oloffson oodoo oder Vodou, wie es vor Ort genannt wird, ist zum Teil für diesen Optimismus verantwortlich. Es ist die Untermauerung des Glaubens und der Kultur des Landes und man stößt darauf durch mit Kerzenlicht beleuchtete Mahnwachen, Marktstände mit Tränken, Kunst und ja, auch Rockmusik. 

In der Tat wurde die weltweit erfolgreichste Sklavenrevolution, durch welche Haiti´s entrechtete Afrikaner ihre Freiheit von den Franzosen gewannen, mit einer Vodou-Zeremonie ins Leben gerufen.  "Vodou gab den Sklaven einen gemeinsamen Weg zusammenzukommen", erzählt der Akademiker und Führer Emmanuel Brignol. "Sie waren besorgt über einen Völkermord an ihrem Glauben."

Voodoo Rock 'n roots im Hotel Oloffson - HaitiDie Sklaven des 18. Jahrhunderts rebellierten als erstes durch das Übertragen ihrer spirituellen Figuren auf die katholischen Heiligen, zu deren Anbetung sie gezwungen wurden. In jüngerer Zeit, unter der hausgemachten politischen Unterdrückung, veränderten RAM ihren Vodou Rock in ähnlich subversive Ziele, für ihre Texte bekamen sie Todesdrohungen von der Militärjunta der 1990er Jahre.

Die Texte sind zwar fast ausschließlich in Creole, aber man fühlt die Kraft der Musik und während man sich die Stirn tupft, um zu verhindern dass einem der Schweiß in den Rum mit Limette tropft, sagt man sich, dass wenn es tatsächlich möglich wäre, das Dach des überdachten Innenhofs des Hotel Oloffson zu erhöhen um die Hitze zu lindern, diese Jungs würden das schaffen.

Grotte unter dem Hotel OloffsonBraucht man eine Verschnaufpause, so findet sich unter dem Hoteleingang eine Grotte, wo einige ausgewählte, sonderbare Kunstgegenstände im Kerzenlicht ausgestellt sind. Die Statue einer winzigen geistigen Gestalt mit Zylinder, erinnert an Odd Job aus den Bond-Filmen. Hinter ihm gibt es ein Nagel besetztes Relief einer halb versunkenen Babypuppe, während andere körperlose Glieder eine ähnlich beklemmende Szene umrahmen. Es sieht aus als würde Barbie hier nicht viel Chancen bekommen, aber man darf sich sicher sein, das es der Ausdruck eines gutartigen Glaubens ist. Im Inneren hört man RAM, die den Vodou Rhythmus der Trommeln halten, der von den Sklaven überliefert wurde.

Eines lässt sich ohne wenn und aber sagen, keine Reise nach Port-au-Prince wäre komplett, ohne an der erstaunlichen Donnerstagabend RAM Vodou Rock-Party im Hotel Oloffson teilzunehmen.

 

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