Nationale Polizei HaitiMario Andrésol, ehemaliger Hauptmann der haitianischen Streitkräfte und ehemaliger Oberbefehlshaber der haitianischen Nationalpolizei (PNH), hat in einem Dokument über das Klima der Unsicherheit in Haiti und die Zahl der im Dienst verstorbenen Polizeibeamten entschieden reagiert.

Er wies darauf hin, dass seit der Gründung der PNH im Jahr 1995 insgesamt 1.118 Polizisten gestorben sind, davon 450 durch tödliche Kugeln bewaffneter Banditen. Die Institution hat in den vergangenen 22 Jahren jedes Jahr im Durchschnitt etwa fünfzig Polizisten verloren, davon wurden rund zwanzig durch Kugeln getötet.

Andresol betont in diesem Dokument dass, würde man zu dieser schlimmen Bilanz die Zahl der in dieser Zeit ermordeten oder vermissten Persönlichkeiten und Privatpersonen hinzufügen, würde man erkennen, dass der Staat, der den Schutz und die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten muss, sich nie die Mittel dazu gab zu versuchen, diese souveräne Mission zu erfüllen.

Er bedauerte, dass die politischen Behörden eine Mittelfreisetzung für die Prävention und die Repression des Verbrechens immer als eine verlorene Investition betrachtet haben und den Verantwortlichen der staatlichen Kräfte ein Budget für den Betrieb und angemessene Investitionen zu gewähren damit diese sowohl auf unmittelbare Sicherheitsbedürfnisse wie auch auf künftige Sicherheitsherausforderungen reagieren können. Diese seien aufgrund unzureichender finanzieller Mittel und mangelnder materieller Handlungsfähigkeit noch immer nicht in der Lage, ein effektives Management von Ordnung und Sicherheit zu gewährleisten.

Emblem - Nationale Polizei Haiti Es stellte fest, dass die Optimierung der Ergebnisse im Kampf gegen die Unsicherheit nur dann erreicht werden könne, wenn das gemeinsame Vorgehen von Polizei und Justiz Teil einer Strafrechtspolitik ist. Die Bekämpfung der Kriminalität erfordere Maßnahmen auf allen Ebenen - sowohl bewaffnet (umgesetzt von der Polizei) strafrechtlich (durch die Gerichte) politische  (staatlich sanktioniert) und legislative Maßnahmen (abhängig vom Parlament).

Das Fehlen von Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit so Andresol, habe dazu geführt, dass die von Strafverfolgungsbehörden ergriffenen Maßnahmen und Einrichtungen bisher nur kurzfristige Ergebnisse gebracht haben, da die Unsicherheit in ihren Wurzeln nie bekämpft wurde.

Der ehemalige Oberbefehlshaber der haitianischen Nationalpolizei wies darauf ´hin, dass in Bezug auf die Sicherheit, seit Jahrzehnten und trotz der Rückkehr der Demokratie und 13 Jahren Präsenz der Minsutah im Land, man sich immer noch nicht von diesen alten Praktiken, die dem Land im Laufe der Zeit so viele Enttäuschungen, so viele Tote und Verschwundene gebracht haben, getrennt habe.

Mario Andrésol glaubt, dass in Haiti Ermittlungen aus eigener Entscheidung fortgeführt werden, denn bis zu einem gewissen Grad gerate die Polizei immer in kriminelle Hände. Fälle von politischen Tötungen oder von Gegnern, die aus fiktiven oder realen Gründen verhaftet wurden und andere mit der Politik zusammenhängende Fälle werden nach den Wünschen der Exekutive behandelt. Diese Situation ist heute nicht neu. Der so lange erträumte Rechtsgrundsatz sei bis jetzt utopisch...

Abschließend stellte Andrésol fest, dass es jetzt an der Zeit sei, den Zyklus aller Empfindungen zu vollenden, die man Kosten des nationalen Selbst erfahren habe, durch die eigenen Ambitionen und genährt von vorsätzlicher Inkompetenz. Nun sei der Augenblick der Bürgerverantwortung gekommen, der Augenblick des Opfers, der Schöpfung. Dies sei der Moment der Transzendenz. Nur zu diesem Preis werde man erfolgreich aus den Netzen von Narzissmus und Größenwahn der Emporkömmlinge des Landes herauskommen

Mario Andresol Erfahren Sie mehr über Mario Andrésol:
Ehemaliger Student der Fakultät für Humanwissenschaften und des Institutes für Management Administration und Internationale Studien (INAGHEI). Mario Andrésol trat 1982 in die Militärakademie von Haiti ein. Er absolvierte den Rang eines Leutnants und spezialisierte sich in Fort Benning (USA) als Infanterieoffizier. 1986 wurde er in Melun (Frankreich) in der Aufrechterhaltung der Ordnung ausgebildet. Bei seiner Rückkehr nach Haiti zeichnete er sich in verschiedenen Einheiten der Armee zum Hauptmann aus. 1995 trat er der PNH als Kommissar von Petionville und dann als Leiter der Kriminalpolizei bei.

Im Jahr 2001, nach politischen Verfolgungen und Attentaten, ging er für vier Jahre ins Exil in die Vereinigten Staaten und kehrte 2005 in das Land zurück. Das haitianische Parlament billigt einstimmig seine Wahl zum Polizeipräsidenten und erneuert sein Vertrauen im Jahr 2009. Am Ende seiner Amtszeit widmete er sich seiner beruflichen Tätigkeit, bevor er 2015 als unabhängiger Kandidat für die Präsidentschaft kandidierte.

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