Deutsche Polizei in HaitiEs war eher Zufall, dass wir bei Recherchen auf ein Foto gestossen sind, welches wir uns dann genauer ansehen wollten: Eine Deutsche Polizistin in Haiti im Einsatz. Wie kommt das ? Um zu verstehen wie da eine deutsche Polizistin nach Haiti kommt, muss man erst etwas zurück blicken.

 

Denn Haiti wurde viele Jahre kontrolliert durch UN Truppen, wenn auch leider mit sehr vielen negativen Nebeneffekten. So schleppten unter anderem UN Truppen die Cholera in das Land ein, welches bis dahin nie Cholerafälle verzeichnete. Immer wieder kamen UN Truppen ins Kreuzfeuer der Presse wegen sexueller Übergriffe und sorgten auch anderweitig für einige Negativschlagzeilen. Hilfsorganisationen taten Ihr übriges – liessen Preise der Immobilien in astronomische Höhen schnellen so das Mieten plötzlich verlangt wurden, welche in keinem Verhältnis zum Einkommen im Land standen.

Man kam zur Überzeugung, dass Haiti schrittweise die innere Sicherheit wieder selbst organisieren soll. Dies mit Unterstützung von UN Kräften, der MINUJUSTH - UNITED NATIONS MISSION FOR JUSTICE SUPPORT IN HAITI.

In einem Artikel der Deutschen Bundesregierung vom 7. Oktober 2015 fanden wir auch die Antwort , warum wir da plötzlich eine Deutsche Polizistin in der Truppe der Haitianischen Polizei fanden. „Nach Somalia und Haiti werden erstmals deutsche Polizisten entsandt. Das soll die Friedensprozesse in den Ländern unterstützen. / Der Beschluss der Bundesregierung erlaubt es, bis zu 20 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte nach Haiti zu schicken. “ steht da unter anderem.

Lesen Sie dazu den gesamten Artikel der Deutschen Bundesregierung Hier 

Die MINUJUSTH soll unter anderem erreichte Erfolge der UN Stabilisierungsmission in Haiti, der MINUSTAH sichern und wenn immer möglich ergänzen. Nur wollen die Menschen in Haiti das überhaupt ? Diese Frage stellt man sich offenbar gar nicht. Denn die Mehrheit der Bevölkerung in Haiti sehen diese Blauhelmissionen als Besatzungsmacht an. Das diese UN Truppen die Cholera noch einschleppten und dann jegliche Verantwortung und Wiedergutmachung von sich wiesen, verbesserte das Ansehen der nicht erwünschten Truppe kaum. Es kam immer wieder zu Ausschreitungen, welche vor allem intensiver wurden, als gar sexuelle Übergriffe dieser Truppen bekannt wurden.

2004 begann dies alles durch den sehr umstrittenen Staatsstreich gegen den amtierenden Präsidenten Jean-Bertrand Aristide, welcher darauf gar ins Exil musste. Amerika, wo auch sehr viele Insider den wahren Verursacher von diesem Staatsstreich vermuten, befürchtete nun eine sehr negative Entwicklung und es kam zu der Unterstützungsmission, welche aber die meisten als Besatzung betrachteten, bis Heute.

Jean-Bertrand Aristide ist längst zurück in Haiti und versprach das er sich nicht mehr politisch betätigen werde. Was natürlich nicht für seine grosse Anhängerschaft gilt. Er selbst zeigt aber keine Ambitionen wieder an die Spitze des Staates zurück zu kehren.

Haiti hat eine Nationale Polizei begonnen aufzubauen, welche von ausländischen Instruktoren ausgebildet wurde. Ergänzt wird diese Polizei eben durch diese UN Truppe MINUJUSTH. Ausländische Polizisten aus vielen Nationen – immer noch ein Dorn im Auge vieler.

„Dies ist doch nur Augenwischerei – genau wie die Blauhelme zuvor – einfach ein wenig umbenannt. Doch man bevormundet weiterhin das Land, das Volk und diese Polizei hat hier so wenig verloren, wie es diese UN Soldaten getan haben.“ - „ Amerika hat hier einmal mehr interveniert – und was die von uns halten hat ja jüngst erst der Präsident Trump deutlich ausgedrückt“ - So und ähnlich sind die wahren Meinungen im Volk. Rückhalt unter dem Volk in Haiti hatten weder die UN Blauhelme noch diese ausländische Polizeiunterstützung. Viele Aktionen der Blauhelme waren zudem sehr ungeschickt und werden bis Heute immer wieder gerne zitiert – wenn man diese unerwünschte UN Präsenz kritisiert. Einsätze gegen Aristidetreue Gruppen erzürnten das Volk weiter.

Sicherheit sollten die Truppen schaffen und die erreichten Ziele sind sehr fragwürdig, genau wie das Vorgehen und die fehlende Verantwortlichkeit ein grosses Minus. Ausser einer sehr flauen Entschuldigung des ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, sah das Volk in Haiti keine Wiedergutmachung für die Verfehlungen der UN Truppen. So ist es auch kaum verwunderlich das man auch gegen die Fortsetzung in der Form der MINUJUSTH kein Vertrauen hat.

Es mutet wie viele Arbeiten von Hilfsorganisationen in Haiti an, man tut einfach etwas, aber an den Interessen vom Volk, welches nicht berücksichtig wird, weit vorbei und Hilfe zur Selbsthilfe sieht kaum so aus. Bisheriges Schlussdefizit vieler Personen in Haiti und inzwischen auch anerkannter Experten – Haiti ginge es längst viel besser als mit dieser „Hilfe“ und dieser Bevormundung, Besatzung. Ein durchzogenes Fazit nach rund 14 Jahren.

Mehr Sicherheit gäbe es eh nur da, wo all diese Internationalen Organisationen angesiedelt sind und die Diplomaten – im Land selbst merkt man von Stabilisierung kaum etwas. Ein funktionierendes Justizsystem, politische Stabilität und Transparenz fehlen nach wie vor. Haiti wurde zum Handelsplatz internationaler Hilfsorganisationen wo Unmengen an Geld „versorgt“ aber nicht wirklich effektiv investiert wird. Keine wirklich befriedigende Entwicklung in all diesen Jahren – da wird auch das Deutsche Wappen auf der Uniform der Polizei in Haiti nicht viel daran ändern.

Fotoquelle : https://minujusth.unmissions.org/en

Weiterführende Artikel :

http://www.dw.com/de/haiti-die-un-und-die-ungewollten-effekte-einer-friedensmission/a-40947713

https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2015/10/2015-10-07-polizeimissionen-uno.html

http://pure-oai.bham.ac.uk/ws/files/20150095/Chapter_2061_MINUSTAH_3.pdf

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