Haitis Wald- und ArtensterbenDer Forscher Blair Hedges dokumentierte zusammen mit anderen Wissenschaftlern aus Pennsylvania die Entwaldung und das massive Artensterben in Haiti. Bis 2035 sollen ihren Studien zufolge voraussichtlich mehr als die Hälfte aller Arten des Landes verschwunden sein.

Der Karibik-Staat, einst voll von üppigen Bäumen und voller Tierwelt ist fast vollständig abgeholzt und erlebt ein Massenaussterben der Arten. Haiti ist dem Verlust seiner reichen Biodiversität näher als fast jedes andere Land der Welt, so die neuesten Forschungen des Wissenschaftlers der Temple University (Pennsylvenia).

Er hat Jahrzehnte in den Regenwäldern von Haiti verbracht, um neue und seltene Arten zu studieren. Obwohl er, im Laufe der Jahre viele Überraschungen erlebte, sei er über die Ergebnisse seiner neuesten Studien schockiert.

In einem im November 2018 in den Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlichten Artikel enthüllten er und seine Mitautoren, dass Haiti fast alle Urwälder verloren hat. Es wird geschätzt. dass aufgrund der Abholzung mehr als die Hälfte der haitianischen Arten im Jahr 2035 ausgestorben sein werden.

Bis zu dieser Analyse war niemandem bewusst, dass es so schlimm war, so Hedges. Haiti so sagt er, sei mitten in einem Massenaussterben und hätte bereits eine große Anzahl von Arten verloren, weil ganze Gebiete, in denen einzigartige Arten existierten, nicht mehr vorhanden sind.

Mit Satellitenbildern der NASA zur Analyse der Landschaft stellten Hedges und seine Kollegen fest, dass das Land nur noch etwa ein Prozent seines Primärwaldes hat, da die Menschen Bäume fällen, um die Flächen landwirtschaftlich zu bewirtschaften und Holzkohle zum Kochen herzustellen.

Abholzung zur Holzkohleproduktion

Die Forscher, die in Haiti arbeiteten, konnten zwar sehen, dass nur noch sehr wenig Wald übrig war, keiner hat jedoch wirklich erwartet, dass dieser so schnell verschwinden würde. Haiti, so erklärt Hedges stehe an der Spitze eines globalen Trends wo die Arten im 100- bis 1000-fachen der normalen Geschwindigkeit verschwinden würden.

Haitis Geschichte ist weitgehend eine der Zerstörung von Lebensräumen - das Abholzen von Bäumen - aber dies ist nur eine der Komponenten eines weltweiten Massensterbens, das durch den Klimawandel, invasive Arten und andere menschliche Faktoren verursacht wird. Denkt man an das Verschwinden der Wälder, so denkt man hauptsächlich an das Verschwinden der Bäume und Pflanzen, so Hedges. Aber es verschindet alles.

Stuart Pimm, Professor für Naturschutzökologie an der Duke University, war zwar nicht an der Studie beteiligt, nannte es jedoch ein "tragisches und brutales" Beispiel dafür, was passiert, wenn Menschen Wälder zerstören. Er denkt, dass Haiti wahrscheinlich der schlechteste Ort auf der Welt ist, um eine Spezies zu sein und dass nicht nur eine schöne Sache sei, Biodiversität zu haben. 

"Die Natur leistet sehr wertvolle Dienste", erklärt Pimm. Als Ökosystemdienstleistungen bekannt, gehören dazu Dinge wie beispielsweise dass ein Wald Luft und Wasser reinigt und die Bodenerosion verhindert. Dies wurde den europäischen Siedlern klar, die viele Bäume in den östlichen USA fällten - darunter auch in Pennsylvania, das fast völlig abgeholzt war. Haitis Geschichte sollte seinen Nachhall finden, so Pimm. Es sei eine Lektion, die man beim Management der eigenen Wildgebiete, der eigenen Wasserscheiden und Flüsse beachten müsse.

Mit so wenig ursprünglichem Wald in Haiti, musste Hedges, wie er selbst sagt, eine neue Rolle übernehmen - vom Wissenschaftler zum Naturschützer. Zweiundvierzig der 50 höchsten Berge des Landes haben alle Urwälder verloren.

Er leitet nun, mit einer von ihm mitbegründeten Organisation namens Haiti National Trust, Bemühungen, einen der letzten bewaldeten Berggipfel aufzukaufen. Damit hoffe man wirklich, zumindest dieses Stück von Haitis Biodiversität retten zu können, so Hedges. Der Kauf würde ein Gebiet im Südwesten von Haiti mit einer Größe von 1 1/2 Quadratmeilen schützen. Es heißt Grand Bois oder Großer Wald.

Quelle: PNAS - Proceedings of the National Academy of Siences of the United States of America

 

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