Mama Tingo

Florinda Muñoz Soriano, besser bekannt als Mama Tingo, kam am 8. November 1921 in Villa Mella, Santo Domingo Nord zur Welt.  Eine Märtyrerin der Dominikanischen Republik.

Florinda Muñoz Soriano - Mama TingoFlorinda war die Tochter von José de la Cruz und Eusebia Aquino Soriano. Sie wuchs in einem einfachen Bauernhaus auf, wo sie überall mithelfen musste, wo Hilfe notwendig war. Aus Holz und Palmwedel erstellte sie Stühle für den Hausgebrauch.

Zur Schule ging Florinda nie, denn es hatte zu dieser Zeit keine Schule in dieser Gemeinde. Später zog sie dann nach Sabana Grande de Hato Viejo, Yamasá, wo ein paar Verwandte lebten. Mit 30 Jahren heiratete sie den Bauernsohn Felipe Muñoz. Der Vater ihres Mann gab ihnen ein Grundstück in Hato Viejo, Yamasá, wo sie von nun an ihre eigene Farm aufbauten.

Mit Ihrem Mann Felipe Muñoz zusammen zeugte sie insgesamt 10 Kinder wovon 3 bei der Geburt oder kurz danach starben. Von den sieben verbliebenen Kindern leben derzeit noch fünf: Juana, Domingo, Bonifacio, José und Felipe Muñoz Soriano.

In der Region in der Florinda lebte, wurde sie als sehr starke und arbeitsame Frau von schwarzer Hautfarbe beschrieben. Sie lebten in einem mit Holzbrettern zusammen gebauten sehr einfachem Haus mit Palmenblaettern als Dach und Erde als Boden. Sie lebten mehr schlecht als recht von der Farm mit Tieren, wie Kühe, Pferde, Ziegen, Hühner, Schweine und anderen Tieren.

Ihre wirtschaftliche Situation konnte man als sehr schlecht bezeichnen und trotzdem arbeitete sie stets unermüdlich und schickte auch alle Kinder zur Schule, welche sie selbst nie besuchen konnte. Trotzdem, schaffte keines der Kinder den Grundschulabschluss.

Ihr Mann kam sehr früh, kaum 50 Meter vom Haus entfernt bei einem Kampf ums Leben.  Dadurch wurde es für Florinda noch um ein vielfaches schwerer und sie musste oft über sich hinaus wachsen, wollte sie nicht an ihrem Schicksal scheitern. Sie selbst versuchte in einer Abendschule Ihre Bildung zu verbessern, trotzdem lernte sie nie schreiben und lesen. So wie ihr erging es damals aber sehr vielen armen Bauernfamilien. Ihr Leben war hart und unerbittlich.

Präsident Joaquin Antonio Balaguer RicardoNoch unerbittlicher wurde es, als Präsident Balaguer die Ländereien in der Dominikanischen Republik neu regulieren ließ. Dies teilweise mit der löblichen Absicht Naturschutzgebiete zu schaffen und aber anderweitig auch um die Wirtschaft zwangsweise anzukurbeln und das in dem er Großgrundbesitzer begünstigen wollte, welche mehr Einnahmen versprachen.

So wertvoll es bis heute für das Land ist, das es viele Naturschutzgebiete hat, wo Raubbau und Wildwuchs großenteils vermieden werden konnten, es war das klägliche Ende vieler Kleinbauern, welche man enteignete oder mit Waffengewalt vertrieb. Großgrundbesitzer beanspruchten plötzlich Land, das andere schon weit über 50 Jahre bewirtschaftet hatten. Und dabei ging man nie zimperlich vor.

Anfangs 1974 geschah dies auch mit Mama Tingo, Florinda Muñoz Soriano. Der Großgrundbesitzer Pablo Díaz Hernández erschien und teilte mit, dass er das Land gekauft habe. Er tat dies bei allen Kleinbauern in dieser Ortschaft und verlangte das sie unverzüglich das Gebiet verlassen. Um dies zu unterstreichen erschien er mit mehreren bewaffneten Männern und Traktoren, welche die Erntefelder umpflügten. Die Farm von Florinda wurde, wie andere auch, mit Stacheldraht eingezäunt und abgesperrt. Der jahrelange Kampf gegen diese brutale Enteignung schien für die Bauern verloren zu sein.

Doch Mama Tingo gab nicht auf.

Mama Tingo gilt als ein Symbol für den Kampf um LandFlorinda beteiligte sich an Protestmärschen und zog auch vor Gericht. Sie wollte beweisen, das diese Enteignungen nicht rechtens waren und kämpfte mit allen Mitteln. Sie selbst erschien auch vor dem Gericht in Monte Plata, der Großgrundbesitzer welche seinen rechtsgültigen Kauf der Länder hätte belegen müssen, glänzte mit Abwesenheit. Als sie vom Gericht zurück kam, erfuhr sie, das ein Handlanger des Grundbesitzers all ihre Schweine frei gelassen hatte. Sie eilte sofort zur Farm um die Schweine wieder einzufangen. Doch dort erwartete Sie Ihr Mörder.

Ernesto Diaz, Vorarbeiter beim Großgrundbesitzer  Pablo Díaz Hernández hatte sich dort versteckt und auf sie gelauert. Mit einer Schrotflinte schoss er feige aus dem Versteck auf die herbeieilende Frau, welche Ihre Schweine, Ihre Existenz retten wollte.

Schwer getroffen brach sie erst zusammen und raffte sich erneut auf um sich mit einer Machete zu verteidigen und den hinterhältigen Diaz zu stellen. Doch dieser schoss erneut und es zerfetzte den Brustkorb von Florinda Muñoz Soriano. Mama Tingo starb am 1. November 1974 in ihrem Blut, auf ihrem Land, das sie bis zuletzt gegen die unrechtmaessige Enteignung verteidigen wollte.

Florinda Muñoz Soriano wurde zur Symbolfigur des WiderstandesDie Polizei verhaftete mehrere Verwandte und Bekannte von Mama Tingo um ihnen den Mord anzuhängen. Der Mörder selbst wurde nach einiger Zeit in Freiheit entlassen.

Mama Tingo war kein Einzelfall, es gibt weitere Beispiele dieser Epoche, welche oft mit der Ermordung der Landbesitzer endete. Dies war zu dieser Zeit in einigen Regionen der Fall, einer Zeit die man als Landregulierung unter Balaguer bezeichnete. Eine oft sehr blutige Regulierung, wo sich auch viele Großgrundbesitzer eigenständig machten um Ihren Bereich zu vergroessern. Und Ihnen wurde bei der unrechtmaessigen Enteignung meist recht gegeben.

Mama Tingo wurde später zur Symbolfigur des Widerstandes, stellvertretend für alle anderen die in dieser Zeit großes Leid erfuhren oder Ihr Leben verloren. Florinda Muñoz Soriano gilt als ein Symbol für den Kampf um Land und ein Beispiel für Frauen in ländlichen Gebieten bei der Verteidigung der Rechte der Bauern auf dem gesamten Kontinent.

National und International sorgte dieser Mord für Aufruhr und gab dem Widerstand auftrieb. Bemerkenswert ist die Arbeit vom Journalisten Juan Manuel García, der mehrere Berichte vor und nach dem Mord machte, über die Situation der Landwirte in dieser Gemeinschaft. Und dies in der  nationale Presse, Rundfunk, Zeitungen und Fernsehen kund tat und den Mord öffentlich anprangerte. Nicht ungefährlich in dieser Zeit, wo Menschen im Gefängnis verschwanden, Ohren abgeschnitten wurden, Tier aufgeschlitzt verendeten und dergleichen mehr.

Gedichte und Lieder folgten und Mama Tingo wurde weit nach Ihrem Tod als Nationalheldin erkoren welcher man jeden 1. November gedenkt. Ein Tag wo jährlich auch dazu benutzt wird, um die Lage der Bauern im Land zu analysieren.

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