Anolis landestoyi by Miguel Landestoy

Wir neigen dazu zu denken, dass die Formen der biologischen Vielfalt gut bekannt sind, vor allem in Bereichen die ausführlich untersucht wurden.

Aber dies ist nicht notwendigerweise der Fall und manchmal werden bemerkenswerte neue Arten sogar in gut studierten und untersuchten ausgetretenen Bereichen entdeckt.

Ein Beispiel dafür ist die Dominikanische Republik, die seit mehr als 40 Jahren von Biologen gründlich untersucht worden ist, vor allem von Herpetologen, die die Reptilien und Amphibien dort seit mehreren Jahrzehnten umfassend katalogisiert haben.

Grüner Anolis - Anolis carolinensisBesonders gut untersucht wurden kleine Eidechsen aus der Gattung Anolis, die gemeinhin als Anolen bezeichnet werden. Es sind dies sind sehr häufig vorkommende Eidechsen auf den Inseln in der Karibik und im Südosten der Vereinigten Staaten, wo die Grüne Anole, eine fotogene Spezies mit einer rosaroten Kehlfahne, weithin bekannt ist. Aufgrund ihrer Fülle und ihres Artenreichtums, sind Anolen zu einem Zugpferd von Feldbiologen geworden, die aus Studien der 150 karibischen Anolis-Spezies (weitere 250 kommen in Mittel- und Südamerika vor) sehr viel über die Evolution und Ökologie gelernt haben.

Die mehr als 40 Anolis-Arten auf der Insel Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik) sind bei Forschern besonders gefragt, da seit den frühen 1980er Jahren dort keine neuen Arten gefunden wurden (nicht inbegriffen, mehrere Arten die gefunden und anerkannt wurden und als früher weit verbreitete Arten in mehrere Arten unterteilt wurden).

Herpetologen dachten, dass die Vielfalt von Hispaniola bereits hinreichend bekannt sei. "Niemals in einer Million Jahren hätte er gedacht, dass eine völlig neue Art der Gattung Anolis, etwas anders als alle bisher bekannten Arten, auf dieser Insel entdeckt werden würde", sagt Jonathan Losos, Kurator für Herpetologie am Harvard Museum für vergleichende Zoologie und Professor in der Fakultät für Organismische und Evolutionäre Biologie.

Und dann kam Miguel Landestoy. Der autodidaktische Dominikanische Naturwissenschaftler und Fotograf bestreitet seinen Lebensunterhalt indem er Foto- und Natur Exkursionen führt und Naturschutzforschung in der gesamten Dominikanischen Republik betreibt. Auf einer Reise im Jahr 2007 an die westliche Grenze der Dominikanische Republik, ganz in der Nähe der Grenze zu Haiti, erspähte Landestoy hoch in einem Baum, eine große Anole, die deutlich anders war als alle anderen, die er je gesehen hatte.

Er schaffte es, das Tier zu fangen, aber nur kurz; das Tier entkam, bevor er ein geeignetes Foto machen konnte. Aber er wusste, es war etwas Andersartiges, etwas Unbekanntes und so kam er immer wieder in den Wald zurück. Und dann eines Tages, einige Jahre später, sah er ein weiteres Exemplar. Und dieses Mal gelang es ihm ein gutes Foto zu schießen. Er schickte es schnell an mehrere amerikanische Herpetologen, darunter Luke Mahler, damals Doktorand in Jonathan Losos Labor und jetzt Assistenzprofessor an der Universität von Toronto.

Mahler warf einen Blick auf das Foto und seine Kinnlade fiel herunter. Er zeigte das Foto Losos und fragte ihn was er dachte, von wo diese Aufnahme sein könnte. Losos erklärte, dass er keine Ahnung hätte und vermutete dass es in den Anden irgendwo hoch oben aufgenommen wurde, wo immer noch neue Arten zu finden sind. Beim besten Willen hätte er nicht daran gedacht, dass es von Hispaniola sein könnte.

Bereits Ende der Woche saß Mahler in einem Flugzeug in die Dominikanische Republik für eine schnelle 36-Stunden-Reise, um sich ein Exemplar zu sichern. Landestoy traf Mahler am Flughafen und die beiden machten sich auf den fünf Stunden Weg zum Fundort. Das Glück war mit ihnen, und sie waren in der Lage, in einer Nacht, zwei Eidechsen zu fangen und dann direkt zum Flughafen zurückzufahren, so dass Mahler rechtzeitig zurück nach Boston fliegen konnte, um sich für seine Lehraufgaben am Montag vorzubereiten.

Anolis landestoyi by Miguel LandestoyMahlers detaillierte anatomische Analysen dokumentierten die Einzigartigkeit der neuen Spezies. Der Kollege Richard Glor und sein Labor bestimmten die DNA, um die Spezies im Evolutionsbaum dieser Eidechsen zu platzieren.Ihre Ergebnisse zeigten, dass diese Art mit anderen großen Eidechsen von der gleichen Insel verwandt ist. Und somit wurde mit der Veröffentlichung der Abhandlung von Mahler und seinen Kollegen in "The American Naturalist", Anolis landestoyi als neue Art anerkannt.

Ebenso wie den Beweis, dass es neue Arten auch in gut untersuchten Bereichen zu finden sind, liefert die Entdeckung von Anolis landestoyi wichtige Erkenntnisse über die Evolution der karibischen Anolis Eidechsen. In den Evolutionsgesellschaften sind Anolen bekannt für die Entwicklung von vielen verschiedenen Arten von Lebensraumspezialisten auf einer einzigen Insel - eine Spezies ist geschaffen um in Baumkronen zu leben, eine andere im Gras, eine Dritte auf Zweigen und so weiter. Besonders ungewöhnlich bei der Entwicklung der Anolen jedoch ist, dass sich die gleiche Gruppe von Habitatspezialisten unabhängig von den anderen auf jeder der großen Inseln der Karibik (Kuba, Hispaniola, Jamaika und Puerto Rico) entwickelt hat.

Das Phänomen der konvergenten Evolution - in welcher Arten unabhängig von einander die gleichen Eigenschaften entwickeln - ist bekannt, aber die Konvergenz von ganzen Linen von Habitatspezialisten ist viel weniger dokumentiert und die karibischen Anolen sind das Lehrbuch -Beispiel für dieses Phänomen. Doch selbst bei diesen Anolen gibt es einige Ausnahmen - Arten von Lebensraumspezialisten, die sich auf einer Insel entwickelt hatten, für die es aber keine Parallelen auf einer der anderen Inseln gibt.

Ein besonders interessantes Beispiel waren große, sich langsam bewegende Anolns, die echten Chamäleons sehr ähnlich sind und nur auf Kuba gefunden wurden. So glaubte man zumindest. Es stellte sich heraus, dass Anolis landestoyi sowohl in der Anatomie wie auch den Gewohnheiten sehr ähnlich zu den kubanischen Arten ist, was zeigt, dass die Gesellschaften von Eidechsen auf diesen Inseln, noch ähnlicher sind als bisher angenommen.

Obwohl neu für die Wissenschaft, ist Anolis landestoyi bereits gefährdet. Die neue Art ist auf einen einzigartigen Lebensraum beschränkt, der nur in einem kleinen Gebiet in der westlichen Dominikanische Republik zu finden ist und auf Grund von illegaler Abholzung rapide zu verschwinden droht. Mahler, der auch mit der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) arbeitet hofft aber, dass die neue Entdeckung helfen wird, mehr Aufmerksamkeit in Bezug auf Umweltschutzfragen in der Region zu erreichen.

Die nächste Aufgabe für Mahler und sein Team wird es sein, herauszufinden ob sich Anolis landestoyi auf Hispaniola auffallend ähnlich den Kubanischen Chamaeleolis Anolen entwickelte oder ob die Ähnlichkeit auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen ist. Die neue Art und Chamaeleolis sind nahe Verwandte, aber keine nächsten Angehörigen. Für Mahler geht mit der Beschreibung dieser neuen Art Anolis landestoyi, ein Traum in Erfüllung, den er schon seit seiner Kindheit gehegt hatte.

Die Studie mit dem Titel "Die Entdeckung einer riesigen Chamäleon-Eidechse (Anolis) auf Hispaniola und seine Bedeutung für das Verständnis der replizierten adaptiven Radiation" wurde vor dem Druck online in The American Naturalist veröffentlicht. Die Unterstützung für die Forschung wurde von der National Science Foundation und dem David Rockefeller Center für Lateinamerika-Studien der Harvard University zur Verfügung gestellt.

Mehr Informationen : phys.org oder American Naturalist

Quelle: Materialien, die von der Universität von Toronto zur Verfügung gestellt wurden.

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