Haiti wolltezur Zeit von Nazideutschland juedische Fluechtlinge aufnehmen

Was hat Adolf Hitler mit Haiti zu tun oder umgekehrt ? Im Nachbarland, der Dominikanischen Republik wissen doch einige Geschichtsinteressierte, dass die Zeit des 2. Weltkrieges vom damaligen Diktator Trujillo genutzt wurde, um die gegen Ihn erhoben Vorwürfe des Rassismus ( siehe unser Artikel Das Parsley Massaker von 1937 ) zu entkräften und Juden eine Existenzgründung in Sosua zu bieten. ( Wikipedia Sosua )


Dantès Bellegarde - haitianischer Historiker und DiplomatDoch was tat Haiti zu dieser Zeit, wie verhielt sich das damals noch nicht so verarmte Land, dass immer noch den Ruf genoss, sich selbst aus der Sklaverei und Unterjochung der Französischen Kolonialherrschaft befreit zu haben ?

Die Mehrheit der Intellektuellen in Haiti, wie beispielsweise die Politiker Dantès Louis Bellegarde und der Journalist und Politiker Jacques Roumain verurteilten die Vorgehensweise von Adolf Hitler und den Nationalsozialismus auf das Härteste. Nur wollte man sich in Haiti auch nicht nur damit begnügen, dass man Deutschlands Vorgehensweise zu dieser Zeit rügte. In Anbetracht der Gefahr in welcher sich die Juden damals befanden, wollte man mehr tun.

Der damalige Präsident von Haiti, Sténio Vincent, gab einen Sondererlass heraus, welcher von der Legislative von Haiti am 29. Mai 1939 verabschiedet wurde. Mit diesem Erlass wurde jüdischen Flüchtlingen in Abwesenheit die haitianische Staatsbürgerschaft gewährt.

Stenio Vincent war bereit eine jüdische Gemeinde in Haiti zu gründen und rund 50 Tausend Flüchtlinge des 2. Weltkriegs aufzunehmen, welche wegen dem Nationalsozialismus aus Europa flüchten mussten.

Île de la Gonâve Um diesen Erlass und die Erklärung der Bereitschaft rund 50 Tausend Flüchtlinge aufzunehmen zu bestärken, sah man vor, die Insel La Gonave für dieses Rettungsprojekt zur Verfügung zu stellen. Sollte es notwendig sein, würde man auch mehr Flüchtlinge aufnehmen. So der Präsident von Haiti.

Doch was man nicht ahnen konnte, es gab Widerstand von Aussen ! Der damalige US

Aussenminister Cordell Hull, gar Friedensnobelpreisträger 1945, bat den Präsidenten von Haiti von diesem ganzen Vorhaben Abstand zu nehmen. Völlig unerklärlich und unverständlich. Bis Heute blieben diese Gründe, welche dazu führten, dass man diese Bereitschaft Haitis, Flüchtlinge aus Europa aufzunehmen, begraben musste, eher mysteriös.

US Aussenminister Cordell HullNur sehr wenige Menschen profitierten von dem Sondererlass und kamen nach Haiti. Einhergehend mit dieser Einmischung seitens Amerika in die Pläne von Haiti, wurde beinahe gleichzeitig im Nachbarstaat, der Dominikanischen Republik, den jüdischen Flüchtlingen ein sehr ähnliches Angebot gemacht. Wenn auch aus ganz anderen Beweggründen.

Zudem war es auch mit Auflagen verbunden. Man stellte dort den Flüchtlingen in Sosua Land zur Verfügung welches eigentlich bewirtschaftet werden sollte. Nur die meisten jüdischen Flüchtlinge waren keine Landwirte, sondern Geschäftsleute und Akademiker.

Wer mehr zu diesem sicherlich interessanten Thema in der Geschichte der Insel Hispaniola erfahren möchte, dem empfehlen wir das Buch : «Histoire juive d'Haïti» von Dr. Joseph Junior Bernard

Titel: Histoire juive d'Haïti
Autor: Joseph Bernard (Jr.)
Verlag: Editions Henri Deschamps, 2013
ISBN: 9993574317, 9789993574316
Länge: 223 Seiten

Élie Sténio Vincent - haitianischer Politiker und Präsident von Haiti.Es sei vielleicht noch zu erwähnen, dass der zweite Weltkrieg nicht die erste Vertreibung von Juden verursachte. Bereits 1830 war unter anderem auch Haiti Zufluchtsort für Jüdische Flüchtlinge aus Polen, dann aus dem Libanon, Syrien oder Ägypten.

Wenig später, nach dem sich der erwähnte US-Aussenminister Cordell Hull in das Vorhaben von Haiti einmischte, trat der damalige Präsident Sténio Vincent am 15. Mai 1941 zurück und überliess das Amt des Präsidenten dem bisherigen Gesandten in den USA, Élie Lescot.

Bei der nächsten Präsidentschaftswahl hätte Sténio Vincent nach dem Scheitern dieses Projekts, in Haiti kaum noch eine Chance auf seine Wiederwahl gehabt. Denn das Volk hatte noch nicht vergessen, dass er nach dem Parsley Massacre nicht gegen die Ermordung von rund 18 Tausend Haitianischen Personen – Frauen, Kinder, Männer - reagierte und diese Gräueltat des Dominikanischen Diktators Trujillo ungestraft liess.

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